Deutsch lernen

Das Erlernen der Landessprache ist der erste, grundlegende Schritt zur Integration in einer fremden Gesellschaft. Ein wichtiges Instrument dazu sind die Integrationskurse, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seit 2004 finanziert werden. Insgesamt wurden bis Ende 2016 bundesweit 2.362.392 Personen zu einem Integrationskurs zugelassen. Alleine im Jahr 2016 waren 534.648 Menschen berechtigt, einen Integrationskurs zu besuchen; darunter 45.763 Personen aus Hessen. (Quelle: BAMF, Bericht zur Integrationskursgeschäftsstatistik). Anzumerken ist allerdings, dass nicht nur Flüchtlinge Integrationskurse besuchen. Auch EU-Bürger oder Spätaussiedler können etwa eine Kursberechtigung erhalten. Seit 2007 können sogar integrationsbedürftige Deutsche zu einem Integrationskurs zugelassen werden.

Flüchtlinge haben nicht sofort und nicht automatisch Zugang zu den Integrationskursen. Der Anspruch hängt von der Bleibeperspektive und vom Aufenthaltsstatus ab.

Zusätzlich übernimm die Stadt Frankfurt die Kosten für 200 Stunden Sprachunterricht. Diese „Gutscheine für den Deutschkurs“ sind gültig für Kurse, die zurzeit ausschließlich an der Volkshochschule Frankfurt am Main stattfinden. Dazu sind auch Flüchtlinge ohne gute Bleibeperspektive berechtigt.

Hier beantworten wir häufige Fragen rund um das Thema Sprache:

Was ist ein Integrationskurs?

Der (allgemeine) Integrationskurs ist ein Sprachkurs für den Alltag in Deutschland, der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert wird. Er beinhaltet 700 Unterrichtseinheiten (UE) und schließt mit der Prüfung Deutsch Test für Zuwanderer (DTZ) und dem Test Leben in Deutschland ab. In 600 Unterrichtseinheiten erreicht man das Sprachniveau B1 (fortgeschrittene Sprachverwendung), in den restlichen 100 UE bearbeitet man gezielt landeskundliche Themen, u. A. Rechtsordnung, Geschichte, Kultur.

Es gibt auch spezielle Integrationskurse für Frauen, Eltern, Jugendliche sowie für Personen, die noch nicht richtig lesen und schreiben können. Diese Kurse beinhalten 1000 Unterrichtsstunden.

Wer kann bzw. muss einen Integrationskurs besuchen?

Einen Integrationskurs können alle Personen (Neu- oder Altzuwanderer, EU-Bürger, Spätaussiedler oder Deutsche) beantragen, die ihren Lebensmittelpunkt nach Deutschland verlagert haben und sich nicht in einer Ausbildung oder im Studium befinden. Zum Besuch eines Integrationskurses kann man von der Ausländerbehörde oder von der für das Arbeitslosengeld II zuständigen Stelle auch verpflichtet werden. Die Kursteilnehmer zahlen die Kursgebühren entweder anteilig oder werden nach gesonderter Antragstellung von diesen befreit. Seit Januar 2017 kann die Verpflichtung zum Integrationskurs auch von den Trägern der Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz ausgestellt werden. Für Asylbewerberinnen und Asylbewerber ist die Teilnahme am Integrationskurs grundsätzlich kostenfrei.

Können Flüchtlinge einen Integrationskurs besuchen?

Der Aufenthaltsstatus spielt hier eine wichtige Rolle: Asylsuchende, d.h. Flüchtlinge, die den Asylantrag noch nicht gestellt haben, dürfen keine Integrationskurse besuchen. Asylbewerber, die den Antrag gestellt haben und eine Aufenthaltsgestattung besitzen, können seit Oktober 2015 den Antrag auf einen Integrationskurs stellen, vorausgesetzt, sie kommen aus Ländern mit guter Bleibeperspektive (zurzeit Syrien, Eritrea, Irak, Iran und Somalia). Für diese Zielgruppe ist der Kurs grundsätzlich kostenfrei.

Stimmt es, dass Afghanen keine Integrationskurse besuchen dürfen?

Nein, das stimmt so nicht. Auch Flüchtlinge aus anderen Ländern als Syrien, Eritrea, Irak, Iran und Somalia – also auch Afghanen – können einen Integrationskurs besuchen, wenn sie als Flüchtlinge oder Asylberechtigte anerkannt werden. Im Jahr 2015 wurden 47,6 % der Asylanträge aus Afghanistan positiv beschieden (im Vergleich: Syrien 96%; Eritrea 92,1%, Irak 88,6%, Iran 59,6%). Eine Folge dieser Regelung ist allerdings, dass Flüchtlinge aus Ländern außer Syrien, Eritrea, Irak, Iran und Somalia bis zur Entscheidung des Asylgesuchs warten müssen, bevor sie einen Integrationskurs besuchen dürfen.

Gibt es Deutschkurse, die speziell für Flüchtlinge konzipiert sind?

Abgesehen vom vielfältigen Angebot ehrenamtlicher Institutionen und Einzelunterricht gibt es Programme, die speziell für Flüchtlinge konzipiert sind. Sie verstehen sich als Einstiegskurse, die eine sprachliche und kulturelle Erstorientierung in Deutschland ermöglichen und – vor allem für bildungsferne Kursteilnehmer – eine gute Vorbereitung für den Besuch eines späteren Integrationskurses sind, nach dem Motto: Lernen lernen. Kurse dieser Art finden an der Volkshochschule Frankfurt statt. Das Programm AMIF, gefördert hauptsächlich durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU, umfasst 300 Unterrichtsstunden. Die Einstiegskurse umfassen 200 Unterrichtsstunden. Für Asylbewerber ohne gute Bleibeperspektive übernimmt das Jugend- und Sozialamt die Kosten für den Kurs – und seit 1. Dezember 2016 auch die Fahrkosten, wenn der Kursort mindestens drei Kilometer von der Wohnung/Unterkunft der Kursteilnehmer entfernt ist. Für Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive (aktuell: Syrien, Irak, Iran, Eritrea und Somalia) werden die Kosten nicht übernommen, da diese Personengruppe Anspruch auf einen vom Bund geförderten Integrationskurs hat, beziehungsweis zu diesem verpflichtet werden kann.

Gibt es Deutschkurse speziell für geflüchtete Jugendliche?

Das Landesprogramm InteA (Integration und Abschluss) bietet Deutschunterricht für Asylsuchende und Asylbewerber, die zwischen 16 und 19 Jahre alt sind. Ziel dieses bis zu zweijährigen Programms ist der Erwerb eines Sprachniveaus, das den jungen Menschen den Erwerb eines Schulabschlusses und den Übergang in die duale Berufsausbildung oder ein weiterführendes schulisches Angebot ermöglicht. Im zweiten InteA-Jahr haben junge Erwachsene die Möglichkeit, an der externen Hauptschulabschlussprüfung teilzunehmen. Die Wilhelm-Merton-Schule ist Schwerpunktschule für das Landesprogramm InteA. Die Aufnahme der Schülerinnen und Schüler erfolgt ausschließlich über das ABZ (Aufnahme- und Beratungszentrum). Die Plätze in diesem Programm sind begrenzt.

Ergänzende Unterstützung erfährt dieser Baustein durch ein sozialpädagogisches Angebot, welches durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration finanziert wird.

Gibt es Sprachkurse für Flüchtlinge seitens der Stadt Frankfurt?

Der Erwerb der deutschen Sprache ist der erste, grundlegende Schritt in Richtung Integration. Die Stadt Frankfurt unterstützt dies und verteilt daher an alle Asylsuchenden im Moment ihrer festen Zuweisung nach Frankfurt einen Gutschein vom Jugend- und Sozialamt für 200 Unterrichtseinheiten Sprachunterricht an der Volkshochschule Frankfurt. Nach ausführlicher Sprachberatung werden die Kursinteressenten je nach Niveau und Lernvoraussetzung in die passenden Kurse verteilt (Programm AMIF, Einstiegskurse, Regelkurse, Integrationskurse usw.). Da die Gutscheine derzeit nur für Kurse der VHS Frankfurt gültig sind, muss man mit Wartezeiten rechnen.

Abgesehen von der Volkshochschule, wo können Flüchtlinge noch Sprachkurse besuchen?

Viele Träger in Frankfurt bieten Integrationskurse an. Dort können Asylbewerber, die eine Aufenthaltsgestattung besitzen und eine gute Bleibeperspektive haben (z.B. aus Syrien, Eritrea, Irak, Iran und Somalia) einen Kurs besuchen. Ende 2015 hat die Bundesagentur für Arbeit ausnahmsweise Einstiegskurse für Flüchtlinge gefördert, die bis Mitte 2016 liefen. Folgemaßnahmen wurden nicht vorgesehen.

Das Angebot des Sprachunterrichts durch Ehrenamtliche ist sehr vielfältig. Die Gruppe der Teachers on the road bietet in der Regel offene Gruppen an, wo jede/r willkommen ist. Außerdem gibt es viele andere Initiativen und Anbieter, allerdings mit unterschiedlichen Eingangs- und Qualitätsstandards.

Eine Übersicht finden Sie hier

Ich habe eine Sprachschule und suche Teilnehmer für meine Sprachkurse. Kann die Stabsstelle Flüchtlingsmanagement mein Angebot an die Flüchtlinge weiterleiten?

Nein. Die Stabsstelle Flüchtlingsmanagement und Frankfurt hilft koordinieren die Sprachangebote, die für Flüchtlinge konzipiert sind oder zu dieser Zielgruppe passen. Es handelt sich dabei um geförderte Maßnahmen oder um ehrenamtliches Engagement.

Die Weiterleitung gewerblicher Angebote und die Vermittlung einzelner Kursplätze sind nicht Aufgabe der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement.

Ich habe eine Sprachschule und möchte Kurse für Flüchtlinge anbieten. Kann die Stadt Frankfurt am Main/die Stabstelle Flüchtlingsmanagement diese finanzieren?

Nein. Die Stabsstelle Flüchtlingsmanagement hat eine steuernde und koordinierende Funktion und stellt keine Fördermittel bereit.

Das Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt am Main übernimmt derzeit die Kosten für 200 Unterrichtsstunden eines Sprachkurses. Die Gutscheine für den Sprachkurs werden an der Volkshochschule Frankfurt am Main eingelöst, die als städtische Einrichtung die Kurse durchführt.