Geschätzter Umfang des Familiennachzuges

Oft werden bei Schätzungen, wie viele Menschen im Rahmen des Familiennachzuges nach Deutschland kommen werden, sehr hohe Zahlen genannt. Die Rechnung dafür scheint zunächst einfach. Es wird ermittelt, wie viele Flüchtlinge mit Anspruch auf Familiennachzug inzwischen in Deutschland leben. Diese Zahl wird dann mit zwei, drei, vier oder sogar fünf multipliziert – je nachdem wie die durchschnittliche Familiengröße eingeschätzt wird.

Tatsächlich ist diese Rechnung aber zu einfach und stellt keine realistische Prognose dar. Zu diesem Schluss kommt das Institut für Arbeitsmark- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Sie beziehen für ihre Berechnung unter anderem Erhebungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sowie des Deutschen Bundestages mit ein. Wichtige Grundlage ist die IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten 2016, eine jährliche Befragung von 4.800 Geflüchteten.

Laut der IAB-Studie werden rund 100.000 bis 120.000 im Ausland lebende Familienangehörig von Geflüchteten Anspruch haben, nach Deutschland nachzureisen. Das IAB merkt an, dass wohl nicht alle Personen dieses Recht in Anspruch nehmen werden. Es können persönliche oder materielle Gründe dafür sprechen, in den Herkunfts- oder Transitländern zu verbleiben. Dieser Aspekt wird bei der Berechnung aber außen vor gelassen, da er schwer zu beziffern ist.

Nach dem Königsteiner Schlüssel werden Hessen rund 7 Prozent aller Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, zugewiesen. Frankfurt bekommt wiederum rund 7 Prozent aller „hessischen“ Flüchtlinge. Wendet man dieses Rechenmodell an, bedeutet das, Frankfurt muss mit rund 590 Menschen rechnen, die im Rahmen des Familiennachzuges nach Frankfurt kommen.

Seit dem 31. Juli 2018 dürfen bundesweit 1.000 Familienmitglieder von subsidiär Schutzberechtigten nachkommen. Das bedeutet rein rechnerisch für Frankfurt einen Zuzug von weiteren 5 Personen pro Monat.

Wie wird gerechnet?

Wie kommt das IAB zu den vergleichsweise geringen Zahlen? Grundlage ist eine Berechnung, nach der bis Ende 2017 rund 400.000 erwachsene Personen Anspruch haben, ihre Familienangehörigen nachzuholen. Nun sind aber viele Menschen aus diese Gruppe ledig und kinderlos. Nur 46 Prozent der Erwachsenen sind verheiratet und nur 43 Prozent haben Kinder, noch geringer ist die Zahl der Eltern mit minderjährigen Kindern. Auch berücksichtigt werden muss, dass bereits viele Familienangehörige in Deutschland leben. So wird ein Wert errechnet, der besagt: Auf jeden erwachsenen Geflüchteten kommen nur 0,28 Ehepartner und minderjährige Kinder, die Anspruch auf Familiennachzug haben.

Vollständige Studie des IAB zum Familiennachzug